Degustation

Degustation

Das Weinglas als Instrument kann keine Wunder vollbringen, die Qualität des Weines ist Basis und Voraussetzung, die ein Weinglas zu transportieren versucht.

  • Um die visuelle Begutachtung eines Weines durchführen zu können, bedarf es eines farblosen und undekorierten Glases, um Farbe, Klarheit und Konsistenz festzustellen.
    Dabei ist zu beachten, dass
    • eine dünne Glas-Wandstärke eine unmittelbare Temperaturwahrnehmung ermöglichen.
    • dicke Glas-Wandstärken den Nachteil haben, dass die Temperatur des Glases auf den Wein übertragen wird.
  • Die Freude am Duft eines Weines ist größer, wenn der Wein im Glas geschwenkt wird, da sich durch die Zunahme der Verdunstungsoberfläche die Vielfalt und die Stärke der Wein-Aromen schneller entwickeln kann
  • Die Wahrnehmung des Geruches ist bestmöglich, wenn die Nase in die richtige Position gebracht wird, indem sie tief ins Zentrum des Glases getaucht, nach der Botschaft im Wein forscht

Steuerung des Getränkes:

Weine werden "klein-schluckweise" konsumiert. Diese Tatsache macht die Steuerung des Getränkes mit Hilfe eines Gefäßes möglich. Um das Glas gezielt an die Lippen zu setzen, bedarf es der Koordination von Kopf und Körper, welche aus dem Unterbewusstsein gesteuert wird. Dabei sind Größe und Form eines Glases die Basisinformation für die Körperhaltung. Über die Kopfhaltung entscheidet hingegen der Durchmesser des Mundrandes. Untersuchungen mit Ultraschall haben neue Erkenntnisse gebracht, dass auch die Zunge je nach Glasform ein unterschiedliche Position einnimmt.

  1. Zuerst nehmen die Lippen die Beschaffenheit des Mundrandes und der Wandstärke des Glases wahr.
  2. Durch eine zarte Kopfbewegung in den Nacken leiten wir den Fließvorgang ein.
  3. Gelenkt von Form und Mundrand, benetzt eine "Tropfen" von 15 bis 20 Gramm einen genau definierten Bereich der Mundhöhle.
  4. Nun werden Viskosität und Temperatur des Getränkes vom Tastsinn übertragen, kurze Zeit später beginnt sich der Geschmack zu entwickeln.
  5. Die Zunge und ihre Geschmacksrezeptoren unterscheiden dabei nur vier unterschiedliche Wahrnehmungen:
    • Zungenspitze Süß
    • Zungenansatz Bitter
    • Zungenseiten Salzig und Sauer

Gemäß der Form, Größe und Durchmessers des Mundrandes eines Glases nehmen Körper, Kopf und Zunge eine definierte Haltung ein. Es ist somit möglich, den Schluck genau zu platzieren, um zunächst nur ganz bestimmte Geschmacksrezeptoren zu stimulieren. Durch die Normierung der Trinkhaltung kann sich ein angehender Weinliebhaber eigene Referenzen zur vergleichenden Geschmackswahrnehmung bilden.

Geschmacksrezeptoren und Geschmackskomponenten:

  • Die vielfältige, intensive Geschmacksempfindung entsteht durch das Zusammenwirken mit dem Geruch. Die Mundhöhle ist über den Rachen mit den Geruchsnerven verbunden, man riecht und schmeckt zur selben Zeit.
  • Frucht, Säure, Tannin und Alkohol sind die variablen der Geschmackskomponenten eines Weines, die das Glas vermittelt. Das Glas als Instrument des Genusses ist verantwortlich für den Gleichklang und die Ausgewogenheit der Komponenten.
  • Bei der Verkostung von Weinen - trocken oder süß - ist das Spiel von Frucht und Säure auf der Zunge ausschlaggebend. Mit dem richtigen Glas kann das Verhältnis harmonisch zueinander eingestellt werden.
  • Sofort den Wein zu schlucken würde das Vergnügen verkürzen. Darum bewegt man den Wein im Mund, um alle Geschmacksrezeptoren anzusprechen. Manche spitzen den Mund, um mit dem angesaugten, feinen Luftstrom die Oxidation des Weines im Mund zu verstärken und die Geschmackskomponenten intensiver zu erleben.
  • Der abschließende Schluckvorgang und der damit verbundene Nachgeschmack entscheiden über die Qualität des Weines und die Qualität des Genusses. So können die Bitter-Komponenten eines gerbstoffreichen Rotweines über die Schaltstelle Glas von angenehm rund bis adstringent scharf wahrgenommen werden.

Eine objektive Beurteilung von Weinen aus unterschiedlichen Gläsern fällt unter Berücksichtigung dieser Aspekte mehr als schwer

Die fünf Sinne

Die Befindlichkeit des Menschen beruht zum Großteil auf Sinneseindrücken. Was wir sehen, fühlen, riechen, schmecken und hören bestimmt in hohem Maße unseren Gemütszustand. Es gibt hunderterlei Dinge, die uns auf diese Weise beeinflussen, und zwei davon sind der Wein und das Glas

Gesichtssinn:

  • Stellt den ersten Kontakt zu Getränk und Glas her

Tastsinn:

  • Mit den Fingerkuppen ertasten wir die Form des Glases. Ist sie perfekt ausbalanciert, vermittelt uns der Tastsinn das Gefühl der Harmonie

Geruchssinn:

  • Die Eigenschaften des Weines kommen unverfälscht zur Geltung, wenn Form und Volumen des Glases auf den Charakter des Getränkes abgestimmt sind. Durch Schwenken des Glases entwickelt der Wein mehr Duftintensität, und olefaktorische Details werden besser wahrgenommen
  • Der menschliche Geruchssinn ist imstande viele hundert verschieden Aromen zu definieren, und die Qualität eines großen Weines zeigt sich besonders in seinem Bouquet.

Geschmackssinn:

  • Was die Nase wahrgenommen hat, wird durch den Geschmackssinn bestätigt. Dabei kommen formenspezifische Parameter bei der Gestaltung der Glasform zum Tragen. Diese sind verantwortlich, wie das Getränk in den Mund gelangt und es seine Qualitäten entwickelt.
  • Form, Volumen, Durchmesser und Ausführung des Mundrandes lenken den Wein auf verschiedene Bereiche der Zunge, die ,wie wir vorher sahen, vier grundlegende Geschmacks-Eindrücke wahrnehmen kann.

Gehörsinn

  • Weintrinken ist ein stiller Genuß. Erst wenn die Gläser klingen, kommt auch das Ohr zu seinem Recht. Der helle, reine Klang eines weingerecht entworfenen, handwerklich perfekt ausgeführten Weinglases ist Musik in den Ohren des Genießers.
  • Aber achten Sie darauf, daß Sie die Gläser nicht am Mundrand oder an der Bodenplatte anstoßen, sondern an der weitesten Stelle: Bauch an Bauch

Mehr Genuß für den Gaumen

1961 präsentierte Claus Josef Riedel die Vision der weingerechten Trinkgläser. Sein revolutionäres Konzept beruht auf dem Prinzip, daß das Design sich dem Getränk und seinen spezifischen Eigenschaften unterzuordnen hat. Bisher standen Mode und Zeitgeist Pate bei der Gestaltung von Glasserien, die jeweils auf einer Grundform basieren und nur in der Größe variieren. Das Riedel-Prinzip hingegen, das seit 1980 von Georg Riedel weiterentwickelt wird, verfolgt das Ziel, daß sich dank einer unterschiedlichen Formgestaltung und Größe der Gläser aus ein und derselben Flasche Wein" mehr Freude für die Nase, mehr Genuß für den Gaumen" einstellt. Nicht die einheitliche Grundform darf das Signum des" Genußglases" sein, sondern die unverwechselbare Handschrift des Designers bei der Verwirklichung der einzigartigen Zusammenhänge zwischen Glasform und Inhalt. Deshalb entstehen die Gläserformen nicht auf dem Zeichenbrett, sondern ihre Gestalt" reift" heran wie ein edler Wein. Der Charakter der Rebsorte und die Verkostung mit Hilfe von Prototypen spielen dabei eine wesentliche Rolle.